Herr Düring, seit dem Untergang der net-com zum Jahresanfang haben Sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Es ist sicherlich nicht leicht dem Zusammenbruch des Unternehmens zuzusehen, welches Sie selber in einer Gartenlaube gestartet haben, und unter Ihrer Führung zu einem der größten Network-Marketing-Unternehmen am deutschen Markt wurde. Ist es Ihnen mittlerweile schon gelungen die Vorkommnisse zu verarbeiten?
Der Untergang der net-com ist für mich persönlich natürlich ein sehr schmerzliches Ereignis. Aber leider nicht nur für mich, sondern auch für die vielen Teampartner, deren Visionen und Träume zerbrochen sind, deren verborgene Ängste zum Teil Realität wurden. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die zahlreichen Mitarbeiter im Unternehmen selbst, die Ihren Arbeitsplatz mit der Insolvenz verloren haben, und zum großen Teil, auf Grund der Arbeitssituation in Thüringen, bis heute ohne Arbeit auf der Strasse stehen.
Für mich persönlich war allerdings nicht der eigentliche Konkurs das Schmerzhafteste. Es war schmerzhaft zusehen zu müssen, wie dieses Schiff net-com immer größere Seitenlage bekam, als Außenstehender mit ansehen zu müssen, wie es zum Untergang navigiert wurde, ohne etwas dagegen tun zu dürfen bzw. zu können.
Der wirklich schmerzhafteste Tag für mich in meinem Leben war aber jener Freitag im Januar dieses Jahres, an dem ich aus meiner eigenen Firma ausgesperrt wurde. Der damalige Vorstand hat mir zu diesem Zeitpunkt ein Hausverbot erteilt, ein Hausverbot aus dem Unternehmen, welches ich persönlich fünf Jahre lang aufgebaut habe! Es wurde sogar Mitarbeitern der Verwaltung untersagt, mir irgendwelche Auskünfte zu geben. Einige Tage danach war das Kapitel net-com für mich dann innerlich ziemlich abgeschlossen, der Konkurs wenige Wochen später und die gegenwärtige Insolvenzabwicklung betrifft mich persönlich nur noch wenig.
Wie verarbeiten Sie die Situation persönlich?
Die letzten Wochen und Monate nutze ich, um viel darüber nachzudenken, was ich aus all diesen Erfahrungen lernen kann, und analysiere alle Entscheidungen und Fehler genau. Und ich habe viel gelernt. Es gibt diesen Spruch, dass man seine wahren Freunde erst in der Not erkennt. Es ist wirklich so. Es gab viele Menschen, die in der Zeit des Sonnenscheins hinter mir standen, und als dann das Gewitter kam sind sie in alle Himmelsrichtungen verschwunden. Das hat mich sehr traurig gemacht, aber es hat mir auch geholfen zu erkennen, wer meine wahren Freunde sind, auf wen ich mich verlassen kann, und auf wen ich in Zukunft bauen kann.
Dieses Ende ist ja wahrscheinlich nicht über Nacht gekommen, es hat sich vermutlich über eine längere Zeit hinweg entwickelt, wann wurden denn aus Ihrer Sicht die ersten Weichen dafür gestellt?
Natürlich ist das Unternehmen nicht von einem auf den anderen Tag in Konkurs gegangen. Es sind auch nicht ein oder zwei schwerwiegende Fehler, die den Konkurs verursacht haben, sondern es sind unglaublich viele Fehler passiert, es war in Wirklichkeit eine Aneinanderreihung, eine ganze Kette von Fehlern, falschen Entscheidungen und auch äußeren Umständen, die bis in das Jahr 1999 zurückreichen.
Zum besseren Verständnis möchte ich ein Beispiel nennen. Durch den enormen Zuwachs und die explosionsartige Expansion unseres Geschäftes war es schnell klar, dass die damalige EDV diesem Ansturm nicht gewachsen war. Die Anzahl der Neukunden pro Monat stieg von 6000 innerhalb eines viertel Jahres auf über 39.000 Kunden im Monat. So war zum Beispiel die überhastete Umstellung unserer EDV und die Einführung von einem Warenwirtschaftssystem nicht richtig geplant und nur sehr schlecht vorbereitet, und dies hat im nachhinein viele logistische Probleme mit sich gebracht. Es gab riesige Probleme durch diese schnelle Einführung, Kunden mussten zum Beispiel wochenlang auf Ihre Ware warten. Zudem hat dann auch die Marketing- und Abrechnungssoftware zu diesem Zeitpunkt bereits erhebliche Probleme verursacht. Es gab im Zuge der Lösungsversuche auch eine Implementierung einer neuen Datenbank und eine Umstellung auf ein anderes Betriebssystem, aber die Abrechnungssoftware war zu dem Zeitpunkt einfach nicht ausgereift. Daraus entstand klarerweise enorme Unzufriedenheit bei vielen Teampartnern.
Ich kann mich z.B. noch genau erinnern, im damaligen Dezember hatten wir einen Datenbankcrash und es sah fast so aus, dass sämtliche Daten von 16 Tagen Datenerfassung trotz Datensicherungen nicht mehr vorhanden waren. Unser damaliger Mitarbeiter Michael Kölln hat mit mir über Weihnachten und Silvester Tag und Nacht daran gearbeitet, den größten Teil dieser Daten wieder zu retten.
Im Nachhinein betrachtet war das EDV System eines der größten Probleme welches wir hatten. Und diese Probleme eskalierten im ersten Quartal 2001 zu dem Zeitpunkt, in welchem unser Geschäft gerade explodierte. Zu diesem Zeitpunkt mussten wir zwischen 30- 40.000 Kunden in einem Monat eingeben, verarbeiten und versenden. Unser damaliges Abrechnungsprogramm war einfach eine Katastrophe. Wenn wir damals bereits eine Software gehabt hätten, wie wir sie dann ab September 2001 von einem Schweizer Unternehmen eingesetzt haben, dann hätten wir bereits damals viele Prozesse der Eingabe auf die Teampartner auslagern können und hätten somit auch enormes Potential in der Verwaltung für andere wichtige Aufgaben gehabt.
Ich kann nur jedem, der eine Network- Marketing- Firma gründen will oder heute führt, die Wichtigkeit der richtigen Softwareentscheidung nahe legen. Gerade ein Network Marketing Unternehmen steht oder fällt durch die schnelle Expansion mit der richtigen Software und der Integrationsfähigkeit aller internen Prozesse. Die richtige EDV ist der Dreh- und Angelpunkt, das Herzstück des Unternehmens.
Aber wir hatten diese damals leider nicht. Wir mussten unser Personal innerhalb kürzester Zeit auf über 120 Mitarbeiter aufstocken, da die Kundenerfassung und Datenerfassung für die über 20.000 Teampartner so umfangreich und aufwendig war. Gerade neue, unerfahrene Mitarbeiter machen noch mehr Fehler. All das führte zu Unzufriedenheit und zu einem Berg an Reklamationen und damit weiterer unproduktiver Arbeit. Einer der Hauptgründe für alle Probleme war das EDV-Problem.
Das heißt, die Hauptursache des Konkurses war ein EDV-Problem? War das wirklich die Ursache für das Ende?
Nein, wie bereits betont waren es sehr viele Fehler, die insgesamt dazu beigetragen haben. Es war sicherlich ein Problem, das sehr viel zerstört hat. Auf einer Skala würde ich dieser Ursache etwa 10-15 Prozent zurechnen. Durch die Fehler und Probleme mit der Software und die aufwendige interne Administration haben sich viele weitere Fehler eingeschlichen. Vieles musste mühsam irgendwie anders realisiert werden, hat wiederum Fehler verursacht und viele Prozesse sind nicht richtig abgelaufen. Dadurch ist der Berg der Probleme immer größer geworden und haben sich dann ins Unendliche gesteigert.
Das ist eine der Hauptursachen, aber es gab noch viele andere Gründe. Ich habe die letzten Wochen tage- und nächtelang darüber nachgedacht, was eigentlich in dieser Zeit alles schief gelaufen ist. Mittlerweile habe ich alles für mich persönlich bis in alle Einzelheiten analysiert. Ich habe mich hingesetzt und alles aufgeschrieben. Was wurde etwa alles von wem verkehrt gemacht. Es sind die unterschiedlichsten Personen gewesen, die schwerwiegende Fehler gemacht haben. Ich möchte aber heute auch nicht den einzelnen Personen die Schuld zuweisen. Es haben sehr viele Menschen Fehler gemacht und es gab auch viele andere Ursachen, das alles Zusammen hat den Untergang verursacht.
Es ist auch klar, dass man im Nachhinein immer viel schlauer ist. Ich könnte über die Vorgänge der letzten 1,5 Jahre net-com mit Sicherheit ein 2-bändiges Buch schreiben. Dinge, von denen die Kunden und die Teampartner keine Ahnung haben, was sich alles hinter den Kulissen abgespielt hat, die vielen Dinge, die niemand mitbekommen hat.
Die genauen Gründe in diesem kurzen Interview zu erläutern würden auch zu weit führen. Und außerdem sind Sie sowieso schon Vergangenheit, und ich kann nichts mehr davon rückgängig machen, so gerne ich es von meinem Herzen aus auch wollte. Ich kann nur aus all diesen Fehlern lernen, damit mir in Zukunft dieselben Fehler nicht noch einmal passieren. Und das kann ich jedem heute versichern, diese Fehler werden mir mit Sicherheit nicht noch einmal passieren!
Wenn man Ihren Ausführungen folgt, klingt es so, als wären Sie selbst gar nicht Schuld an dem, was mit dem Unternehmen net-com passiert ist, dabei handelte es sich ja um Ihr Unternehmen, in dem Sie einziger Aktionär waren, und noch dazu waren Sie ja auch der Vorstand.
Nein, das will ich damit nicht ausdrücken, natürlich habe auch ich Fehler gemacht, bzw. habe bestimmte Vorgänge nicht kontrolliert. Ich war bis Mai 2001 Vorstand. Das Unternehmen wurde aber nicht von mir alleine geführt, dazu war es ja auch bereits viel zu groß. Es haben viele Menschen Entscheidungen getroffen und es wurden damit auch in den unterschiedlichsten Bereichen Fehlentscheidungen getroffen. Ein Unternehmen dieser Größenordnung kann auch niemals von einer Persönlichkeit alleine geführt werden.
Das was uns in Wirklichkeit gefehlt hat, war ein Team an kompetenten Fachleuten im mittleren und oberen Management, die das besondere Verständnis und die Expertise für die Feinheiten des Network Marketing hatten. Durch die schnelle Entwicklung konnten wir im Betrieb selbst keine Fachleute nachziehen. Und aus der kleinen Gartenlaubenfirma war mittlerweile ein großes Unternehmen geworden, welches für die Expansionspläne wie ein großer Konzern zu führen war.
Zu dem Zeitpunkt des Börsenhipes in Deutschland war es auch sehr schwer für uns, gutes, erfahrenes Führungspersonal aus der Wirtschaft zu bekommen. Wir haben auf Grund des riesigen Wachstumsschubs händeringend nach Fachleuten gesucht. Alleine für Personalanzeigen haben wir in einem Vierteljahr mehr als 125.000 Euro ausgegeben, um Führungskräfte aus der Wirtschaft zu finden. Aber es war aus dem Großraum Erfurt kaum möglich Personal und Führungskräfte mit entsprechenden Qualifikationen zu finden, oder Personen zu einem Standortwechsel nach Erfurt zu bewegen.
Es kam dann der Zeitpunkt im Mai 2001, an dem Sie als Vorstand zurückgetreten sind.
Ich bin damals zurückgetreten, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte. Bis Mai vorigen Jahres hatte ich 5 Jahre mit Vollgas das Unternehmen aufgebaut, war nur für die Menschen und die Teampartner Tag und Nacht da und habe mich ganz darin aufgegeben. Ich hatte bereits schwere psychische und physische Probleme. In den 5 Jahren hatte ich nur 1998 einen richtigen Urlaub, er ging gerade 14 Tage. Heute weiß ich, dass ich damals ein „burning out"- Syndrom hatte. Ich war einfach völlig ausgebrannt.
Kurz davor eskalierten auch die erwähnten Probleme, und der Druck wurde auf mich immer größer. Wer in meinem persönlichen Umfeld war, der hat gesehen, wie blank meine Nerven lagen, wie hektisch und unausgeglichen ich war. Dieser Druck hat mich von Tag zu Tag mehr belastet. Gerade, weil ich auch 100-%ig für das Unternehmen gelebt habe mich letztendlich für alles verantwortlich gefühlt habe, was gerade geschah. Ich war einfach ausgelaugt, ohne jegliche Kraft, Kreativität und Power.
Immer mehr Teampartner kamen auf mich zu, der Erfolgsdruck stieg von Stunde zu Stunde. Aber ein Teampartner, egal in welcher Linie er arbeitet, kann immer zu seinem Sponsor oder seiner Upline gehen, um seine Probleme zu besprechen. Deswegen kamen Sie ja schließlich auch zu mir. Ich war aber mit dieser Situation zum damaligen Zeitpunkt einfach allein. Für mich gab es damals niemanden, mit dem ich meine Probleme hätte besprechen können, der meine Sorgen mit mir geteilt hat oder mir geholfen hätte. Ich hatte keinen Sponsor, und auch niemanden im Unternehmen, der meine Vision und meine Einstellung und Philosophie im vollen Umfang mitgetragen hätte.
Noch dazu bin ich ein sehr emotionaler Mensch, der allzu viel persönlich nimmt. Dieser enorme Erfolgsdruck hat mich gesundheitlich sehr stark angegriffen. Ich war zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, objektive Entscheidungen zu treffen.
Gerade daraus habe ich viel gelernt. Was nützt der ganze Erfolg, was nützen all die Erfolge, die man feiert, wenn man dadurch gesundheitliche Probleme bekommt und selbst auf der Strecke bleibt?
Aus diesem Grund war es sicherlich besser, dass ich entschieden habe, mich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich jedoch nie als Vorstand zurücktreten dürfen, denn dadurch habe ich zu einem sensiblen Zeitpunkt ein falsches Signal nach Außen gesetzt. Die Teampartner haben das Unternehmen sehr stark mit meiner Person verbunden. Heute weiß ich, dass mein Rücktritt als Vorstand niemandem gedient hat.
Es wäre klüger gewesen, ein bisschen kürzer zu treten und die Aufgaben des Vorstandes an eine zweite Person als Vorstand mit zu übertragen. Ich denke, dass es persönlich einer meiner größten Fehler war. Aber für mich war kein Licht am Ende des Tunnels, ich konnte damals einfach nicht mehr.
Seit Mai 2001 ging das Gerücht im Markt herum, dass net-com bereits pleite ist. War da etwas Wahres dran, oder wie kam es zu diesem Gerücht?
Zu dem Zeitpunkt, als ich im Mai vorigen Jahres als Vorstand zurückgetreten bin, war das Unternehmen wirtschaftlich in einem gesunden Zustand. Alleine das Bankguthaben betrug weit über 3 Millionen Euro. Wir hatten auch keine Verbindlichkeiten in nennenswerter Höhe. Dieses Gerücht resultierte auch aus einer unfassbaren Geschichte.
Mitte Mai 2001 fand eine Aufsichtsratsitzung statt, von der ich jedoch als einziger Aktionär - ich hielt damals noch 100 % der Aktien - nicht informiert wurde, obwohl der Aufsichtsrat einer AG nur die Interessen des oder der Aktionäre zu vertreten und den Vorstand zu überwachen hat. Während dieser Aufsichtsratssitzung hat man sich überhastet und falsch informiert und sich falsche Zahlen geholt. Ein damaliges Aufsichtsratsmitglied, seines Zeichens Wirtschaftsprüfer, prognostizierte den Gewinn für das Geschäftsjahr 2000 auf über 10 Millionen Euro. Dies hätte natürlich eine enorme Steuerlast von fast 5,5 Millionen Euro als Resultat gehabt. Wenn man diese beiden Summen gegenüberstellt, 5.5 Millionen Euro prognostizierte Steuerlast und 3 Millionen Euro Bankguthaben, kann man, schnell und überhastet gerechnet an fünf Fingern abzählen, wie lange so ein Unternehmen noch wirtschaften kann.
Diese Berechnung und Prognose war jedoch total falsch. Der tatsächliche Gewinn im Jahr 2000 lag bei knapp 2 Millionen Euro. Also ein fünftel des prognostizierten Gewinns. Zu guter Letzt hat man aus dieser Prognose auch kein Hehl gemacht, und in Panik sich öffentlich darüber geäußert. Durch diese Aussage, das Gerücht einer bevorstehenden Pleite des Unternehmens, wurde die tatsächliche Pleite in Wirklichkeit bereits im Mai des Vorjahres verursacht.
Dieses Gerücht hat unter den Teampartnern natürlich viel Angst, viel Panik und Schrecken verbreitet. Das Gerücht saß tief in den Köpfen der Teampartner und Kunden und es war nicht mehr zu neutralisieren. Die Panik wurde von anderen auch bewusst ausgenutzt und es wurden noch viele weitere Unwahrheiten über die geschäftliche Situation der net-com in Umlauf gebracht.
Diese Gerüchte wurden dann auch massiv in der Öffentlichkeit verbreitet und mit meinem Rücktritt als Vorstand haben sich diese Gerüchte erhärtet. Deshalb meinte ich, dass mein Rücktritt ein falsches Signal gesetzt hat.
Ich kann nur nochmals betonen, dass das Unternehmen im Mai vorigen Jahres wirtschaftlich gesund war, auch die Umsätze haben noch gestimmt und das vorhandene Kapital von über 3 Millionen Euro hätten den Fortbestand des Unternehmens gesichert und das Unternehmen auf Erfolgskurs halten können.
Tatsächlich ist das aber nicht geschehen, warum?
Diese Gerüchte begannen eine Abwärtsspirale in Gang zu setzen. Die Auswirkungen der bereits genannten EDV Probleme auf Grund der Umsatzexplosion ein paar Monate davor schürten die Unzufriedenheit der Teampartner weiter, nährten den Boden der Gerüchteküche, obwohl zu keinem Zeitpunkt etwa Provisionen nicht rechtzeitig oder zur Gänze bezahlt worden sind. Dazu kam der dramatische Zusammenbruch des Mobilfunkmarktes, welche net-com zum schlechtesten und verletzbarsten Zeitpunkt traf.
Zum selben Zeitpunkt – ein Unglück kommt ja selten alleine - waren wir massiven Problemen mit unserem Provider Telepassport ausgeliefert, mit dem wir damals über Jahre sehr intensiv zusammengearbeitet hatten. Neben Abwicklungsschwierigkeiten hat Telepassport die Provisionen von einem Monat auf den anderen um 100 Euro gekürzt, und wir konnten nichts dagegen unternehmen. Dadurch war es uns im Grunde genommen nicht mehr möglich, vernünftige Mobilfunkangebote bei akzeptablen Provisionen zu machen.
Die Teampartner halten einem Network- Marketing- Unternehmen so lange die Treue, bzw. sind so lange aktiv, solange sie auch Geld verdienen, und die Einkommen nicht dramatisch zurückgehen. Durch den nachweisbaren Zusammenbruch des Mobilfunkmarktes und durch die zusätzlichen Einwirkungen der Abwärtsspirale gab es eine generelle Umorientierung unter den Teampartnern.
Wenn Führungskräfte das Unternehmen verlassen, dann folgen natürlich auch andere Teampartner und auch Kunden. Einige von Ihnen nutzten die Stimmung auch für sich aus. Das alles hat natürlich zu einem Einbruch der Umsätze geführt. Die Abwärtsspirale begann sich immer schneller zu drehen. Wir hatten durch die Explosion natürlich einen enormen internen Kostenapparat aufgebaut, der wiederum größtenteils auf die falsche Software zurückzuführen war. Dieser Kostenapparat konnte nicht so schnell wie nötig reduziert werden, und es musste auch massiv Personal entlassen werden.
Viele der Teampartner haben das angeblich angeschlagene Schiff im Sommer des letzten Jahres panikartig verlassen. Hat Sie das persönlich geärgert oder verletzt?
Natürlich tut es weh, wenn man Menschen verliert, mit denen man einen langen Erfolgsweg gemeinsam gegangen ist. Es trifft einen sehr, wenn man dann mitbekommt, dass diese und jene Person abgewandert ist. Aber es ist meine innerste Überzeugung –und ich habe das schon immer gesagt – dass jeder Mensch frei ist, und über sein Leben selber entscheidet.
Unter den damaligen Umständen ist es auch verständlich und gerade im Network Marketing üblich, dass viele Teampartner glauben, die Wiese wäre wo anders grüner.
Geärgert habe ich mich nur über jene Teampartner, die mit allen, leider auch unlauteren Mitteln, andere Teampartner zu anderen Firma abgeworben haben, in dem sie die Gerüchte verstärkt und Schauermärchen erzählt haben. Jedoch bin ich überzeugt, dass ein solches Vorgehen langfristig nicht der beste Dünger für einen grünen Rasen ist. Jedenfalls ist das wohl kaum das Holz, aus dem tatsächliche Führungskräfte geschnitzt sind.
Die Abwanderung hat dem Unternehmen natürlich, einen enormen wirtschaftlichen Schaden zugefügt.
Nachdem Sie all diese Turbulenzen mitbekommen haben, haben Sie dann noch eingegriffen? Sie waren ja nicht mehr Vorstand, sondern Aufsichtsratsvorsitzender?
Vieles von dem, was ich heute weiß, habe ich damals gar nicht richtig mitbekommen, da ich mich ja aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückgezogen habe. Allerdings habe ich aktiv mitgeholfen, als der Mobilfunkmarkt einbrach, und wir händeringend nach neuen Perspektiven und Möglichkeiten suchten. Das hat uns dann auch zur Firma Masternet gebracht.
Heute weiß ich, dass damals meine größte Fehlentscheidung gefallen ist. Ich habe damals im Zuge eines Aktientausches über 70% meiner net-com Aktien abgegeben, allerdings, und das möchte ich schon betonen, keinen einzigen Pfennig in Geld dafür bekommen. Im Prinzip wurden im Zuge des Aktientausches die Anteile der Masternet zu 100% übernommen. Damit war ich zwar noch Hauptgesellschafter, hatte daher persönlich die meisten Aktien unter allen Aktionären, aber nicht mehr die Mehrheit am Unternehmen. Zunächst hatte ich 30% der Aktien. Ein Prozent gab ich als Managementbeteiligung ab. Ich war überzeugt und begeistert von der neuen Ausrichtung für die net-com als Multimedia Unternehmen. Ich war überzeugt, dass das Produkt Infotainmentcenter einschlagen würde wie eine Bombe. Ich war sogar so überzeugt und von der Idee als solches begeistert ja förmlich verrückt, dass ich aus meinem privaten Geld weitere 6% der Aktien, die ich vorher für 0,- abgegeben habe, für damals über 260.000,- Euro zurückgekauft habe. Ich hielt somit 35% der Aktien.
Im Nachhinein weiß ich, dass mir eine riesige Seifenblase verkauft worden ist. Meine damaligen Berater haben den Wert des Unternehmens Masternet kaum geprüft und haben sich selber von der Euphorie anstecken lassen und damit net-com und mir keinen guten Dienst erwiesen. Der damalige Leiter Finanzen und späterer Vorstand war von der Idee, dem Produkt und dem Zusammenschluss beider Firmen entgegen späteren Aussagen selber überzeugt und begeistert. Einige Wochen danach ging die Masternet in Konkurs. Ich war wirklich so dumm, das ich 70% der net-com Anteile für eine Firma, die einige Wochen später in Konkurs ging, hergab. Es haben zu keinem Zeitpunkt Überprüfungen der wirtschaftlichen Lage der Masternet stattgefunden. Alle auch ich, waren so von dem Produkt und der Idee begeistert und überzeugt, dass die wirtschaftliche Lage der Masternet nebensächlich erschien.
Das Produkt war einfach noch nicht marktreif, nicht fertig gedacht und nicht rund.
Viel tiefer gehende Auswirkungen hatte aber die Tatsache, dass ich durch den Aktientausch mir einige Aktionäre ins Boot geholt habe, die weder die Philosophie, noch das Network Marketing an sich je verstanden, geschweige denn gelebt, verkörpert oder gar unterstützt haben.
Es war zwar, wie ich es in einem Rundschreiben geschrieben habe, die wichtigste Entscheidung in meinem Leben, aber es war eine falsche Entscheidung. Für diese Lernerfahrung habe ich letztlich einen sehr hohen Preis zahlen müssen und werde noch lange mental daran zahlen.
Auch das wird mir in der Zukunft sicherlich nicht noch einmal passieren, die Mehrheit, und damit die letzte Entscheidungsgewalt an Unternehmen, welche ich in der Zukunft aufbauen werde, werde ich nie wieder abgeben. Diesen Rat kann ich auch nur mit aller Deutlichkeit allen Lesern weitergeben. Wenn man eine Zeit seines Lebens sein ganzes Herzblut in eine Idee, in ein Unternehmen gesteckt hat, darf man die Mehrheit für keinen Preis der Welt, und unter keinen Umständen, so schwer diese auch immer sein mögen, abgeben. Vielleicht können zumindest andere aus meinen Fehlern lernen, ohne eine solch schmerzliche und unglaubliche Konsequenzen nach sich ziehende Erfahrung selber machen zu müssen.
Dabei wollte ich net-com mit meiner Entscheidung wirklich eine neue, zukunftsweisende Perspektive geben. Es war ja nicht das Geld, dies hat mich noch nie getrieben - im Gegenteil! Noch vor meinem Rücktritt als Vorstand im Mai 2001 hatte ich ein konkretes Angebot das Unternehmen für 18 Millionen Euro zu verkaufen. Ich habe ohne zu zögern nein gesagt, weil ich das Gefühl gehabt hätte, die Teampartner und Menschen zu verkaufen, und das hätte ich niemals gekonnt, es entspricht einfach nicht dem, wofür ich persönlich stehe.
Wo ist denn der grundlegende Unterscheid zwischen Ihrer Philosophie und Überzeugung, und jener der anderen?
Gerade jene Menschen, die ich in dieser Zeit mir mit ins Boot geholt habe, waren vorwiegend materiell und monetär gesteuerte und getriebene Menschen. Sie haben in dem Unternehmen in Wirklichkeit eine Melkkuh gesehen. So sollte zum Beispiel viel Geld für Ausbildung genommen werden, vielleicht auch Provisionen dafür bezahlt werden, wichtig war nur Umsatz, Geld und Gewinn, koste es was es wolle! Die Diskussionen alleine, welche im Hintergrund tagtäglich geführt wurden, die aber nie ein Außenstehender mitbekommen hat, würden weitere Bände füllen, gefüllt mit so viel Unsinn, Politik und Taktik, Gier und Streit, Misstrauen und Verletzungen.
Aber im Grunde genommen bin ich daran selber Schuld, ich habe mir diese Menschen damals ausgesucht, und das war ein Fehler, für den ich heute gerade stehen muss, sowohl finanziell, als auch – und das geht viel tiefer – emotionell.
Sind Sie von Ihren Partnern enttäuscht?
Tja, (- nach einem großen Seufzen - ), was heißt enttäuscht? Ich kann es nur immer wieder sagen, ich habe mir meine Partner selber ausgesucht. Ob ich enttäuscht bin oder nicht, spielt dabei keine Rolle, ich bin eben dafür selber verantwortlich, wen ich da ins Boot hineingelassen habe. Die Menschen sind wie sie sind, und man muss halt die richtigen Menschen weise auswählen, mit denen man ein solches Unternehmen groß machen will. Menschen, die die Philosophie von Network Marketing nicht verstehen und im Vertrieb nur eine Geldvermehrungsmaschine sehen, sind halt nicht die richtigen, und können keine langfristige Basis bilden.
Die Vergangenheit lässt sich ja bekanntlich leider nicht ändern. Aber gesetzt den Fall, es wäre möglich das Rad der Zeit zurückzudrehen, welche 5 Dinge würden Sie denn anders entscheiden oder verändern, welche 5 Dinge hätten denn das Schicksal von net-com in eine andere Richtung geleitet?
Das erste was mir dabei einfällt ist die EDV, ich habe diesbezüglich am Anfang schon viel erläutert. Um eine Lösung der Probleme zu finden bin ich sogar Anfang Juli 2001 in die USA geflogen. Es gab zwar einiges an Software in Deutschland aber nichts was auf unsere Verhältnisse gepasst hätte. Ich habe nicht gewusst, dass es eine vernünftige, für uns maßgeschneiderte Software in der Schweiz gab. Weiter war es in diesem Bereich die Art und Weise der Einführung und der Vorplanung der Warenwirtschaftslösung. Dies wären die ersten Dinge, die ich mit Sicherheit rückgängig machen würde.
Das zweite ist die Abhängigkeit, die wir von einem einzigen Produktlieferanten hatten, im konkreten Fall von Telepassport. Ich würde mich nie wieder in eine solche einseitige Abhängigkeit begeben. Die starke Bindung an Telepassport hat eine sehr lange Zeit hervorragend funktioniert, aber diese Abhängigkeit wurde einfach zu einem zu großen Risikofaktor und es wurden von uns auch zu spät Alternativen realisiert. Vor kurzem hat Telepassport sogar den Vertrieb von einem auf den anderen Monat eingestellt.
Aber dies bedeutet nicht nur keine Abhängigkeit von einem Produktlieferanten, ich würde auch nie wieder eine Abhängigkeit von einer einzigen Produktlinie zulassen. net-com hätte viel früher nach Alternativen Ausschau halten müssen, zudem ja auch bekannt war, dass der Mobilfunkmarkt einbrechen würde. Ab Mai habe ich dann eine massive Anzeigenkampagne auch in der NetworkPress verursacht, die viel Resonanz gebracht hat. Diese Idee hätte ich schon ein Jahr vorher haben müssen. Der Aufbau des neuen Produktportfolios war dann zwar mit dem Jahreswechsel abgeschlossen und auch rund, aber es war leider zu spät.
Als drittes zähle ich natürlich meinen Rücktritt als Vorstand. Ich würde mir zwar eine Auszeit nehmen und eine zweite Person parallel als Vorstand einsetzen, jedoch mich nicht mehr aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Es war ja in Wirklichkeit niemand da, der dieses Geschäft vom Grunde auf beherrschte, alle Feinheiten kannte und wusste, wie die internen Abläufe zu funktionieren haben.
Das vierte war natürlich die Fusion mit Masternet. Selbst zum Zeitpunkt der Fusion war noch immer ausreichend Kapital aus der Vorzeit der net-com da. Die Fusion selber hat für net-com überhaupt keinen Vorteil gehabt, im Gegenteil. Das neue Produkt hat – um es weiterzuentwickeln – mehr Geld gekostet, als die Einnahmen daraus jemals waren. Diese Fusion würde ich in dieser Form nicht mehr machen.
Das fünfte was mir einfällt wäre die Besetzung des letzten Vorstandes. Dabei war das Problem, das sich unser letzter Vorstand unglaublich schnell geändert hat, bzw. bis dahin mir unbekannte Wesenszüge zum Vorschein kamen. Er drehte sich nach dem Wind der Mehrheit und der Machtverhältnisse. Ab dem Zeitpunkt der Aktienabgabe hatte ich kaum mehr etwas zu sagen, im Grunde genommen wurde bei vielen Entscheidungen überhaupt nicht mehr auf mich gehört.
Nach dem 29.9.2001, dem Tag der Großveranstaltung, wurde ich Schritt für Schritt immer weiter aus meinem eigenen Unternehmen hinausgedrängt. Ich wurde z.B. als kleiner Gründer belächelt, der dieses Unternehmen irgendwann vor langer Zeit einmal gegründet hat, und derart vor anderen regelrecht bloßgestellt. Es war traurig, auf welche Art uns Weise ich aus diesem Unternehmen hinausgedrängt wurde und aus den Entscheidungsprozessen regelrecht verbannt worden bin.
Und es ging schon weit unter die Gürtellinie, schließlich wurde mir sogar verboten, Teampartnern Auskünfte zu geben, jenen Menschen, die ich über die Jahre aufgebaut und mit welchen ich jahrelang zusammengearbeitet hatte. Es liefen so viele traurige Dinge im Hintergrund ab, die kein Mensch, auch die Mitarbeiter in der Verwaltung nicht mitbekommen haben. Ich kam mir immer mehr wie ein unerwünschter Fremdkörper im Unternehmen vor. Zu dieser Zeit verbrachte ich noch ein paar Stunden pro Woche im Unternehmen. Die Krönung war dann Ende Januar 2002 der Tag, an dem ich sang- und klanglos aus dem Unternehmen rausgeflogen bin, weil ich angebliche Betriebsgeheimnisse an einen internen Mitarbeiter verraten habe. Als ich am Morgen aufwachte, war mein Handy abgestellt, nach meiner Ankunft in der Firma stellte ich fest, dass mein eigenes Büro abgesperrt war, ich durfte nur unter Aufsicht meine persönlichen Gegenstände ausräumen. Als ich mit dem Festnetztelefon in meinem Büro telefonieren wollte, damit mich jemand mit einem Transporter abholt, wurde auch dieses abgeschaltet. Es war, als wäre ich im falschen Film. Der Vorstand hat mich damals eiskalt hinausgeschmissen, obwohl ich sogar Aufsichtsratsvorsitzender war. Es hätte zu diesem Zeitpunkt nichts mehr gebracht dagegen anzukämpfen, und wenige Wochen darauf wurde dann schon die Insolvenz angemeldet.
So sind die Dinge geschehen, zumindest aus meinem Blickwinkel, durch meine Brille gesehen. Andere erzählen Ihre Version, dies ist meine. Es wurden massenhaft Fehler gemacht und zahlreiche Fehlentscheidungen getroffen. Vielleicht ist es mir gelungen diese Verkettung der Fehler und Umstände einem Außenstehenden ein bisschen näher zu bringen.
Hätte man dies verhindern können?
Wenn es eine für mich sichtbare reale Möglichkeit gegeben hätte, ich hätte mein letztes Hemd dafür gegeben. Dieses Unternehmen war für mich alles, mein Leben, mein Herz, meine Liebe. Das ganze Unternehmen, die ganze Kultur, all die Menschen und Freunde, die darin gearbeitet haben, das alles hat mir mehr bedeutet als mein eigenes Leben.
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich muss auch gestehen, dass ich in diesem letzten Jahr für mein Leben so viel gelernt habe, wie in all den anderen Jahren zusammen nicht. Ich habe unheimlich viel gelernt über die Menschen selbst, aber all diese Enttäuschungen und Lernerfahrungen haben mich letzten Endes nur stärker gemacht, so stark, wie ich noch nie zuvor war. Ich war und bin ein Stehaufmännchen, und genau das werde ich in Zukunft auch beweisen.
Im Rückblick, überwiegen die Freuden oder die Schmerzen?
Ich habe natürlich eine sehr lange Zeit für mich benötigt, um das alles zu verdauen. Man hat natürlich auch lange nichts von mir gehört. Ich habe diese Zeit gebraucht, um mich zu finden, mich neu zu sortieren, und den Kopf nach und nach wieder frei zu bekommen. Aber es war unter dem Strich eine wunderbare Zeit, ein schöner Abschnitt in meinem Leben, den ich nie vergessen werde – und ich habe nun eine Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich blicke heute auf ein wunderbares Werk zurück, heute überwiegt nur das Positive.
Letzten Endes war net-com auch für viele Menschen ein riesiger Erfolg.
Ein finanzieller Erfolg für viele Menschen, wir haben in den 5 Jahren immerhin über 20 Millionen Euro an Provisionen ausbezahlt bei einem kumulierten Umsatz über etwa 100 Millionen Euro und hatten über 400.000 Kunden.
Ein persönlicher Erfolg in der Entwicklung für viele Menschen, wir haben Tausenden den persönlichen Horizont erweitert, vielen Menschen nachhaltig das Leben verändert.
Und das alles, egal wo diese Menschen heute auch immer sind, wie sie über dieses Unternehmen auch immer denken, und was sie auch immer über net-com anderen erzählen. Daran sollten wir uns alle erinnern, jeder sollte für sich die positiven Seiten in seinem Herzen aufbewahren, und diese fünf Jahre als eine wunderbare Zeit unseres Lebens mitnehmen.
Das wäre auch mein sehnlichster Wunsch an alle „ehemaligen net-comer" weit und breit, dass sie alle die positiven Erfahrungen in den Herzen behalten, und an all das sich erinnern, was sie in dieser Zeit persönlich gelernt haben, an sich gearbeitet haben, und persönlich gewachsen sind. Ich wünsche mir, dass sie diese Zeit nicht vergessen, und vielleicht sogar mit Stolz an diese Zeit zurückdenken.
Natürlich vergieße auch ich manchmal ein paar Tränen, wenn ich manchmal in den Bildersammlungen blättere, aber es war ein wunderbarer Zeitabschnitt, der so wie er war, nicht mehr wiederkommen wird. Aber es wird wieder neue, aufregende, bunte und ertragreiche Zeitabschnitte geben, und es gibt Tausende neue Wege und tausende neue Möglichkeiten. Das Leben ist einfach voller Möglichkeiten, voller Chancen, voller offener Pfade, die nur darauf warten, beschritten zu werden.
Auf Grund der genannten Zahlen, die net-com umgesetzt hat, kann es Ihnen ja nicht schlecht gehen. Böse Zungen behaupten, man könnte ja an Konkursen sich sogar bereichern?
Natürlich habe ich heute noch ein bisschen Geld, als riesiges Vermögen würde ich das aber nicht bezeichnen. Ich habe die Erträge in der net-com immer für die weitere Expansion verwendet, mir aus dem Unternehmen nie große Summen herausgenommen, im Gegenteil. Ich habe ja sogar aus meinem eigenen privaten Geld die besagten Anteile zurückgekauft. Dadurch habe ich natürlich viel persönliches Geld verloren, aber Geld ist nicht das Primäre, es bedeutet mir nicht so viel. Ich weiß ja, dass ich immer wieder viel Geld verdienen kann. Ich habe es einmal bewiesen, ich weiß nun, was in mir steckt.
Es ist nicht wichtig, was ich auf meinem Bankkonto habe, es ist wichtig, was ich in mir trage. Man kann mir alles wegnehmen, aber niemals das, was ich alles gelernt habe.
Was sind die Dinge, die Sie anderen Menschen weitergeben möchten, welche wichtigsten Erfahrungen der letzten Jahre möchten Sie mit Ihnen teilen?
Da gibt es natürlich vieles. Zu aller erst sollten Sie sich nie verausgaben. Natürlich sollten Sie für ein Unternehmen leben, aber man muss auch lernen abzuschalten, die Zeit für sich selber zu nehmen.
Ich habe das zu der net-com Zeit nicht geschafft, aber auch ich musste es lernen.
Sie sollten auch lernen, manche Dinge nicht so nah an sich herankommen zu lassen, nicht so ernst zu nehmen. Ich musste unbedingt lernen abzuschalten, denn zur net-com Zeit war ich immer auf Hochtouren, ich konnte nie abschalten, weder tag noch Nacht. Und das hat schließlich mich, meine Gesundheit und mit Sicherheit auch einen großen Teil des Unternehmens kaputt gemacht. Ich habe zwar oft gepredigt, dass sich Erfolg aus vielen verschiedenen Bereichen zusammensetzt, aber diesen Teil habe ich leider selber nie angewandt – bis vor kurzem!
Ich genieße daher auch ein bisschen die derzeitige Ruhe, die Abgeschiedenheit. Ich nehme mir viel Zeit, alles zu analysieren, und die schönen Erinnerungen an dem richtigen Ort in meinem Herzen zu bewahren.
Dies klingt sehr abschließend?
Ja, ist es ja auch. Es ist ja auch unabänderliche Vergangenheit. Es ist bereits ein Teil meiner Geschichte. Irgendwann muss man einfach das Kapitel abschließen, zumindest dann, wenn man alles aufgearbeitet hat, und das habe ich für mich getan. Und das gibt mir auch eine wunderbare innere Ruhe.
Wird net-com das letzte Kapitel im Buch „Das Leben des Mike Düring" sein ?
Nein, – (schmunzelnd) – natürlich nicht, dafür bin ich viel zu jung. Lassen Sie es mich so formulieren: Es wäre zu schade, wenn ich das alles, was ich in diesen 5 Jahren gelernt habe, jetzt nicht neu anwenden würde. Es wäre ein vergeudetes Leben, wenn ich das alles, was ich in diesen 5 Jahren an positiver Energie von so vielen Menschen bekommen habe, jetzt vergessen würde. Es wäre zu schade, wenn ich alle Kontakte, die ich in diesen 5 Jahren geknüpft habe, jetzt nicht für meinen nächsten Schritt nutzen würde. Network Marketing macht mir einfach viel zu viel Spaß!
Was bedeutet das?
Es bedeutet einfach, dass ich eine neue Network Marketing Firma starten werde. Ich möchte da noch keinen Zeitpunkt nennen, mich nicht unter Druck setzten lassen. Gut Ding braucht Weile heißt es so schön, aber es wird schneller und größer kommen, als es viele erwarten. Ich habe eine sensationelle Idee, sie schwirrt mir schon über ein dreiviertel Jahr im Kopf herum, eine Idee, welche es in dieser Form noch nie im Network Marketing gegeben hat oder umgesetzt wurde. Diese Idee wird jetzt in aller Ruhe und Gelassenheit vorbereitet.
Zu diesem Zwecke habe ich meine success now GmbH in neue Räumlichkeiten nach Erfurt geholt. In dieser Gesellschaft arbeite ich im Augenblick in einem kleinen, aber feinem Team. Täglich gesellen sich wieder neue Menschen zu diesem Team, und investieren einen Teil Ihrer Zeit für diese neue Idee. Jetzt gilt es, die Zeit zu nutzen, die neuen Dinge vorzubereiten. Wir studieren tagtäglich gemeinsam darüber, wie wir es besser machen können, wie wir die Fehler aus der Vergangenheit verhindern können, was alles besser funktionieren muss, usw.. Wir arbeiten auf Hochtouren an der Umsetzung jener Lösungen, wie wir logistische Probleme und Wachstumsprobleme für alle Zeiten umgehen können.
Wir lassen uns dabei viel Zeit, denn in dieser Planung ist am meisten Hirnschmalz nötig, jetzt bauen wir das neue Fundament, damit dann nach dem Start die Abläufe auch wirklich funktionieren, und ein großes Bauwerk entstehen kann.
Diese neue Network Markeitng Company ist also bereits in Vorbereitung, denn ich habe meinen Traum, und diesen Traum werde ich auch umsetzen! Auch wenn es im heutigen Wirtschaftsleben, in dem alles schnell gehen muss, in dem man unheimlich schnelle Reaktionszeiten realisieren muss, auch wenn es in diesem Umfeld keinen Garantieschein für Erfolg gibt, auch nicht für meine Idee.
Für mich war und bleibt Network Marketing das genialste System, Menschen erfolgreich zu machen. Es hat mich damals fasziniert, und hat mich durch all diese Jahre getragen, und fasziniert mich heute umso mehr, und wird mich auch niemals loslassen. Network Marketing zieht am Anfang sicher viele Menschen wegen des Geldes an. Aber das ist nur der Anfang, und das Geld wird für die meisten danach unwichtig. Es ist das genialste System,
um Menschen eine Zukunft zu geben,
um Menschen aus ihrer Mittelmäßigkeit herauszuholen,
um Menschen zu helfen, die Ängste und Sorgen zu vergraben,
um Menschen wachsen zu lassen, über sich selber hinauswachsen zu helfen,
um Menschen eine Vision zu geben,
um Menschen ihre Fähigkeiten aufzuzeigen,
um Menschen zur Unabhängigkeit zu führen,
um Menschen zur freien Entfaltung zu verhelfen,
um Menschen zu helfen, wieder zueinander zu finden,
um Menschen Selbstvertrauen, Stolz und Anerkennung zu geben,
um so gemeinsam etwas auf dieser Erde zu bewegen,
um Dinge zu verändern, die uns allen nicht passen,
um Dinge zu bewegen, die bewegt werden müssen,
um diese Erde für uns und für unsere Kinder und Kindeskinder lebenswerter zu machen.
Die Zeit ist reif für diese Veränderung, sie schreit nach Veränderung, jeden Tag lauter und lauter, und wir werden unseren Beitrag dazu leisten.
Nicht alleine.
Sondern mit vielen, Anfangs Hunderten, dann Tausenden, in vielen Ländern, in vielen Sprachen, aber alle mit einem gemeinsamen Herzen! |